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Titel des Dokuments: veranstaltungen
2005
Do 2.6.2005 Eröffnung der Ausstellung und Einführungsveranstaltung mit einem Vortrag von Dr. Thomas Haury (Soziologe, Freiburg):
Judenhass – moderner Antisemitismus – Israelfeindschaft
Die Skandale um Möllemann, Hohmann und Walser, der Antisemitismusvorwurf an die globalisierungskritische Bewegung, die weit verbreitete Israelfeindschaft – zeigt sich hier überall das immer gleiche Phänomen wie schon im Deutschen Kaiserreich, im Nationalsozialismus oder schon bei Luther?
Um das Phänomen des Antisemitismus zu verstehen bedarf es einer genauen Analyse der Gemeinsamkeiten und Unterschiede, der Kontinuitäten und des Wandels: Was sind die Grundmuster des klassischen modernen Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts? Wie entsteht und funktioniert der spezifisch deutsche „sekundäre Antisemitismus“ nach Auschwitz? Und wie erklärt sich die – gerade in der Linken – weit verbreitete Israelfeindschaft?
Mi 8.6.2005 Filmveranstaltung
Do 9.6.2005 Imaginationen und Projektionen. Antisemitismus im Film nach 1945
Tobias Ebbrecht (Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf", Berlin)
Dem Wunsch nach einem Neuanfang ohne schlechtes Gewissen entsprachen Nachkriegsfilme, die jüdische Figuren und die Vernichtung der Juden zu Gunsten von deutschen Kriegsheimkehrern ausblendeten. Im neuen deutschen Film etablieren sich dann Elemente des sekundären Antisemitismus (Schuldabwehr nach Auschwitz) und stereotype Bilder „des Juden“. Fassbinders Filme etwa nehmen die „Dramatisierung des Jüdischen“ aktueller Fernsehproduktionen vorweg. Der palästinensisch-europäische Berlinale-Film „Paradise Now“ greift die Verbindung von „antisemitischem Code“ und Opfergang auf und lässt sie in der ästhetischen Zelebrierung des antisemitischen Selbstmordattentates gipfeln.
An Filmen und Theaterstücken wie „Ehe im Schatten“, „Liebe 1947“, „Zeugin aus der Hölle“, „Der plötzliche Reichtum der Leute von Krombach“, „Der Müll, die Stadt und der Tod“, „Lilli Marleen“ und „In einem Jahr mit 13 Monden“ zeigt Ebbrecht diese Entwicklung.
Di 14.6.2005 Blinde Flecken - Antisemitische Tendenzen und ihre Verharmlosung bei Attac
Norbert Trenkle (Redaktion Zeitschrift krisis, Nürnberg)
Dass es bei Attac antisemitische Tendenzen gibt, hat inzwischen sogar dessen „wissenschaftlicher Beirat“ zugegeben. Doch statt sich diesen entgegen zu stellen, werden sie weitgehend verharmlost. Dabei spielen nicht nur falsche taktische Überlegungen eine Rolle. Vielmehr ist die traditionelle Linke selbst in mancher Hinsicht kompatibel mit dem antisemitischen Wahn. Die Bekämpfung des Antisemitismus erfordert daher eine grundlegende Transformation der Kapitalismuskritik.
Mi 15.6.2005 Filmveranstaltung
Do 16.6.2005 Antiamerikanismus - zu Struktur und Konjunktur eines Vorurteils.
Lutz Eichler (Soziologe, Frankfurt /Main)
In Amerika regiere Geld und Gewalt, Amerika regiere (bald) die Welt mit Geld und Gewalt, darin sind sich der Dichter Nikolaus Lenau (1802-1850) und der Philosoph Jürgen Habermas einig. Unschwer ist die Verschiebung der negativen Seiten der Moderne zu erkennen. Kapital und Staat werden exterritorialisiert und in Amerika reterritorialisiert. Das Andere erscheint geschichts-, kultur- und gefühllos, um das je Eigene (Deutschland, Österreich, Europa) komplementär zu definieren. Doch während vor 100 Jahren nur der konservative Bildungsadel gegen Amerika wetterte, gehört es heute zum guten Ton und ist Ausweis von Progressivität die USA für das Übel in der Welt verantwortlich zu machen. Antisemitische und antiamerikanische Feindbilder und Mythen überlagern sich zunehmend und verbinden sich zu einem explosiven Gemisch. Wie sich das Ressentiment entwickelte und auf welcher psychologischen Struktur es basiert, soll Thema des Vortrags sein.
Di 21.6.2005 Neuer Antisemitismus
Dr. Jan Weyand (Soziologe, Erlangen)
Die Diskussion über Antisemitismus wird gegenwärtig durch die Diagnose eines „neuen Antisemitismus“ bestimmt. Seit einigen Jahren werden zum einen eine Zunahme antisemitischer Gewalt und neue Trägergruppen dieser Gewalt beobachtet, zum anderen eine offenere Artikulation antisemitischer Deutungsmuster sowie ihre Verschiebung hin zum antizionistischen Antisemitismus. Da eine Voraussetzung antisemitischer Handlungen antisemitische Deutungsmuster sind, setzt sich der Vortrag mit der Frage auseinander, was auf der Ebene der Denkmuster am gegenwärtigen Antisemitismus neu ist.
Mi 22.6.2005 Filmveranstaltung
Do 23.6.2005 Islamistischer Antisemitismus
Claudia Dantschke (Journalistin und Nahost-Expertin, Berlin)
Der Islamismus wird von seinen Anhängern als Gegenentwurf zu Kapitalismus und Kommunismus verstanden. Deren materialistische Konstitution ist der Kern des unauflösbaren Widerspruchs zu dieser religiös begründeten Gesellschaftsideologie. Zur Abwehr analoger säkularer Entwicklungen innerhalb der islamischen Gesellschaften greifen Islamisten auf christliche und rechtsextremistische antisemitische Stereotype zurück und vermischen diese mit in islamischen Quellen zu findender religiös begründeter Judenfeindschaft. Nach dem Niedergang des Kommunismus sieht sich das „islamische“ Gesellschaftsmodell als einzige Alternative zu dem als „dekadent und im Untergang“ begriffenen Weltimperialismus unter Führung der USA. In diesem Kontext muss der jüdische Staat Israel als „säkularer Stachel in der islamischen Welt“ bekämpft werden. Der Antisemitismus und aktuell auch der Antiamerikanismus sind somit essentielle Elemente des Islamismus geworden.